Nicola Beck, Dipl.-Ing., Leiterin EnergieBauZentrum
Rund 200 Online-Anmeldungen und zahlreiche Gäste vor Ort: Der erste Hamburger Batterietag zeigt, wie groß das Interesse an Speicherlösungen und Wärmewende inzwischen ist. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Nicola Beck, Leiterin des EnergieBauZentrums – einer Institution, die seit fast zwei Jahrzehnten eine zentrale Rolle in Hamburgs Energie- und Klimaberatung spielt.
„Unser Hauptaufgabengebiet ist die Beratung zum energieeffizienten Bauen und Sanieren und zur Klimafolgenanpassung.“
Nicola Beck
Beratung für alle Zielgruppen – finanziert von der Stadt
Das EnergieBauZentrum ist weit mehr als ein Informationsschalter. Es versteht sich auch als Partner der Hamburger Energielotsen und praxisorientierte Schnittstelle zwischen Politik, Handwerk, Wohnungswirtschaft und privaten Eigentümerinnen und Eigentümern – mit einem klaren Anspruch: unabhängige, kostenfreie Beratung.
Gegründet 2008 und organisatorisch bei der Handwerkskammer angesiedelt, berät das EnergieBauZentrum zu energieeffizientem Bauen, energetischer Sanierung und Klimafolgenanpassung. „Unser Hauptaufgabengebiet ist die Beratung zum energieeffizienten Bauen und Sanieren und zur Klimafolgenanpassung“, erklärt Beck.
Die Besonderheit: Die meisten Angebote werden im Rahmen der Hamburger Energielotsen von der Stadt Hamburg finanziert. Dadurch kann die Beratung kostenfrei und unabhängig erfolgen – sowohl für private Eigentümerinnen und Eigentümer (sofern sich das Gebäude in Hamburg befindet) als auch für Fachleute wie Planer, Energieberater, Handwerksbetriebe, Wohnungswirtschaft und Verwaltungen.
Technik zum Anfassen: Die Ausstellung als Herzstück
Ein zentrales Element der Arbeit ist die Ausstellung am Elbcampus. Hier wird Technik nicht nur erklärt, sondern erlebbar gemacht. „Ein Kernstück unserer Beratung ist unsere Ausstellung.“ Statt abstrakter Systembeschreibungen können Besucherinnen und Besucher reale Anlagen sehen und teilweise sogar testen. Sieben unterschiedliche Wärmepumpenmodelle sind installiert – inklusive einer Einheit, die vor Ort in Betrieb genommen werden kann, um die tatsächliche Lautstärke erfahrbar zu machen. Ergänzt wird die Ausstellung durch: Balkonkraftwerke, Solardachziegel, Gründachlösungen, Fernwärmestationen und Modelle zu erneuerbaren Energien. Die Ausstellung wird kontinuierlich aktualisiert und greift aktuelle Marktentwicklungen auf.
Adressscharfe Beratung: Von der Einzelimmobilie zum Quartier
Ein besonderer Mehrwert liegt in der adressgenauen Analyse. Mithilfe städtischer Daten und Karten können konkrete Gebäude hinsichtlich verschiedener Energieoptionen geprüft werden – etwa Fernwärme, Wärmepumpe oder Solarenergie. Diese Beratung richtet sich nicht nur an private Hauseigentümer, sondern auch an größere Akteure wie Verwaltungen oder Bestandshalter mit umfangreicheren Portfolios. Damit wird das EnergieBauZentrum zur strategischen Beratungsinstanz für die lokale Wärmewende.
Klimafolgenanpassung: Starkregen und Hitze im Fokus
Neben Energieeffizienz gewinnt die Klimaanpassung zunehmend an Bedeutung. Das EnergieBauZentrum bietet hierzu mit den Hamburger Energielotsen unter anderem einen Vor-Ort-Check an, bei dem Gebäude auf Starkregenschutz und Hitzebelastung untersucht werden. „Klimaanpassung ist einfach ein großes Querschnittsthema“, betont Beck. „Es gibt unglaublich viele Gewerke, die damit zu tun haben.“ Um Fachbetriebe gezielt einzubinden, wurde gemeinsam mit der Stabsstelle Klimafolgenanpassung der BUKEA der „Expertenkreis Klimaanpassung“ ins Leben gerufen. Handwerksunternehmen, die regelmäßig an Workshops teilnehmen, können in eine Fachfirmenliste aufgenommen werden, die im Rahmen von Beratungen weiterempfohlen wird. Das Format wurde mehrfach ausgezeichnet und fördert gezielt die Vernetzung in der Branche.
Rohstoffe und Kreislaufwirtschaft
Ein zentrales Thema ist der Umgang mit Rohstoffen wie Lithium. Behn wies auf die ökologischen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen hin: Umweltbelastung beim Abbau und der Verarbeitung. Rohstoffpreis- und Lieferabhängigkeit. Geopolitische Risiken und Preisschwankungen. NAEXT verfolgt einen Kreislaufwirtschaftsansatz: „Indem wir diese Batterien verwenden, verlängern wir ihren Lebenszyklus und schaffen eine echte Kreislaufwirtschaft.“ Second-Life-Batterien aus Elektrofahrzeugen werden für stationäre Speicher genutzt, was CO₂-Emissionen reduziert und Ressourcen schont.
Hamburger Energielotsen: Vernetzung und Fachberatung
Ein weiteres zentrales Instrument sind die „Hamburger Energielotsen“, eine Anlaufstelle für praxisnahe Energieberatung für Fachleute. „Die Hamburger Energielotsen sind die zentrale Anlaufstelle für unabhängige und praxisnahe Energieberatung in Hamburg.“ Das Angebot umfasst: Einzel- und Gruppengespräche, Online- und Telefonberatung, Fach- und Informationsveranstaltungen, Expertenkreise und Themenwochen. Betriebe können sich bei speziellen Veranstaltungen auch mit Messeständen präsentieren. Thematisch reicht das Spektrum von Heizung, Dämmung und Lüftung über erneuerbare Energien bis hin zur Klimaanpassung. Zusätzlich gibt es spezielle Angebote wie einen Photovoltaik-Check für Handwerksbetriebe oder Beratungen zum Schutz vor Hitze und Starkregen.
Spielerisch zur Sanierungsstrategie
Ein ungewöhnliches Format ist das Online-Spiel „Von der Bruchbude zum Passivhaus“. In Teams übernehmen Teilnehmende ein altes Gebäude und wählen schrittweise energetische Maßnahmen aus – stets unter Berücksichtigung der finanziellen Rahmenbedingungen. „Man erbt ein altes Gebäude und kann in jeder Spielrunde Maßnahmen auswählen – gleichzeitig muss man die Finanzen im Blick behalten.“ Das Spiel wurde technisch modernisiert und berücksichtigt inzwischen aktuelle Technologien wie Wärmepumpen und Fernwärme. Es richtet sich vor allem an Schüler, Auszubildende und Studierende, wird aber auch von Fachleuten genutzt, um Diskussionen über Sanierungsstrategien anzustoßen.
Woche der Wärmepumpe: Vom Nischenformat zur Messe
Als nächstes Highlight kündigt Beck die „Woche der Wärmepumpe“ an. Vom 23. bis 27. März präsentieren sich 26 Aussteller am Elbcampus, begleitet von Führungen, Fachveranstaltungen und speziellen Formaten für Energieberaterinnen und Energieberater. „Von einer Minimesse ist es inzwischen schon eine richtige Messe geworden.“ Die Veranstaltung zeigt, wie dynamisch sich das Thema Wärmepumpe in den vergangenen Jahren entwickelt hat – und welche Rolle das EnergieBauZentrum als Plattform und Multiplikator dabei spielt.
Fazit: Plattform für Umsetzung
Ob Ausstellung, Vor-Ort-Check, Fachnetzwerk oder Messeformat – das EnergieBauZentrum positioniert sich als operative Drehscheibe für die Wärmewende in Hamburg. Die Kombination aus unabhängiger Beratung, praktischer Demonstration und branchenspezifischer Vernetzung macht das Zentrum zu einem wichtigen Baustein der lokalen Klimastrategie. Oder, wie Beck es formuliert: „Wenn wir behilflich sein können, kontaktieren Sie uns gerne.“ Ein Satz, der nicht nur als höflicher Abschluss gemeint ist – sondern als Einladung zur aktiven Mitgestaltung der Energiewende in Hamburg.
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