Herr Zippel, in welchen Bereichen sind deutsche Hersteller konkurrenzfähig – und wo weniger?
Das ist schwierig, weil es stark vom Segment abhängt. In Europa haben wir relativ wenig Batterie- und Zellproduktion, fast alles kommt aus China. Bei kritischer Infrastruktur, wie bei Funkhäusern oder Stadtwerken, achten Firmen aber zunehmend darauf, welche Hersteller eingesetzt werden. Hier haben europäische Anbieter oft Vorteile, etwa bei Service und Erreichbarkeit. Grundsätzlich muss man immer die Produktionskosten betrachten – jeder Hersteller hat in seinem Bereich seine Existenzberechtigung. Hierbei ist der Ansatz der Second-Chance oder Zero Waste Speicher besonders nachhaltig, da es sich hier um schon produzierte Batterien handelt, wo die Ressourcen im Spiel gehalten werden.
Gibt es Ideen, um auch Großanlagen kritischer und unabhängiger zu machen?
Ja, zum Beispiel kann man Batterien über Wechselrichter oder Hardware-Relais abkoppeln. Um kritische Infrastruktur zu bedienen, gibt es viele technische Ansätze. Bei Kleinanlagen müssen Software-Updates sicher eingespielt werden, hier sind regulatorische Standards nötig.
Wie sieht es bei mittleren Anlagen aus?
Da lohnt es, die Herkunft der Basiskomponenten, Steuerungstechnik und Software zu betrachten. Es gibt auch Anbieter in der westlichen Hemisphäre. Hier muss man sorgfältig entscheiden, welche Lieferanten man wählt.
Ein praktisches Beispiel: Wenn jemand 10 MW an einem Solarpark nahe einem Umspannwerk installieren möchte – was muss man prüfen?
Zuerst muss man prüfen, ob das Umspannwerk noch freie Kapazität hat oder schon belegt ist. Dann gilt es, Wirtschaftlichkeit und mögliche Einnahmenströme zu kalkulieren: Netznutzungsentgelte, Regelenergie, Intraday-Handel etc. Solche Fälle müssen lokal genau analysiert werden.
Wie sieht es mit Produktion und Lieferfähigkeit aus?
In Seevetal haben wir jetzt eine Produktionshalle, die kurzfristig 100–150 größere Speicher pro Jahr liefern kann. Für den Aufbau eines Containers auf einem Solarpark brauchen wir aktuell nur 4 bis 8 Stunden.
Wie entwickelt sich die E-Mobilität in Bezug auf Batteriespeicher?
Weltweit gibt es ca. 1,7 Milliarden Fahrzeuge. Autonomes Fahren wird den Fahrzeugpark effizienter nutzen, elektrische Fahrzeuge werden langlebiger – Batterien halten über 1 Million km, während Verbrenner schon nach 200–300 000 km schwächeln. Danach können Batterien recycelt oder als Second-Life genutzt werden.
Wie sieht das Konzept von Second-Life- und Second-Chance-Batterien aus?
Second-Life bedeutet Batterien, die schon im Auto waren und dann stationär weiterverwendet werden. Second-Chance bezeichnet Überkapazitäten von OEMs, die nie im Fahrzeug eingesetzt wurden. Kunden können selbst entscheiden, ob sie neue Module oder Second-Life/Second-Chance-Module möchten. So lassen sich CO₂-Äquivalente deutlich reduzieren, auch wenn Transport- und Administrationskosten bleiben.
Können Batterien Einfluss auf den Strommarkt und die Preisbildung nehmen?
Ja, besonders in der Sekundärregelung, die Minutenbereiche abdeckt. Batterien können hier Gaskraftwerke teilweise ersetzen. In klassischen Dunkelflauten oder Hellflauten bleiben Gaskraftwerke aber kurzfristig notwendig. Mittelfristig werden Batterien wirtschaftlicher und die Einspeisung erneuerbarer Energien flexibler.
Welche Rolle könnte Wasserstoff spielen?
Wasserstoff macht für bestimmte Anwendungen Sinn, etwa bei grünem Stahl oder im Flugzeug, ist aber energieaufwendig. Für breite Elektromobilität sind Batterien effizienter.
Wie könnte Deutschland seine Batteriestrategie weiterentwickeln?
Wir brauchen eine gute Strategie für mittelfristige Flexibilität, dynamische Netzanbindung, abgestimmte Umspannwerkskapazitäten und eine zweistufige Nutzung: erst Batterien, dann bei Bedarf Gaskraftwerke. Ziel ist, Netzstabilität und erneuerbare Integration zu sichern und Wildwuchs zu vermeiden.
Wie entwickelt sich der Preis von Batteriespeichern?
Die Preise fallen kontinuierlich. Früher lagen sie bei 500–700 €/kWh, heute sind industrielle Preislevel deutlich günstiger. Damit werden Batteriespeicher auch für größere, dezentrale Systeme wirtschaftlich attraktiv.
Welche Herausforderungen bestehen noch?
Es gibt viele Netzanträge, Umspannwerke sind teilweise ausgelastet. Außerdem müssen Speicher richtig dimensioniert und betrieben werden, um die Flexibilität im Stromnetz sinnvoll zu unterstützen.
Herr Zippel, vielen Dank für das Gespräch.